Südgeorgien

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Grytviken

An der Nordostseite von Südgeorgien fährt das Kreuzfahrtschiff mitten hinein in die Inselberge. Der weit ins Land reichende Ostarm des Cumberland-Fjords ermöglicht dies. An Steuerbord öffnet sich wenig später die schmale King-Edward-Bucht und gibt den ersten Blick auf die alte Walfangstation Grytviken frei. Der berühmte norwegische Kapitän Carl Anton Larsen gründete sie 1904. Mit drei Schiffen und 60 Landsmännern kam er damals als einer der ersten Walfänger auf die Insel.

In kurzer Zeit bauten die Männer eine Verarbeitungsanlage auf: eine Pier, um die Wale anzulanden, ein Flensdeck, um sie zu zerlegen, Hallen zum Transieden des Specks und Abkochen des Fleisches und der Knochen, Fässer, Tanks und Schuppen, um die Erzeugnisse zu lagern, Winschen, Pumpen, Zentrifugen und Maschinenhäuser, um alles in Gang zu halten. Das erste Tier wurde bereits nach fünf Wochen verarbeitet, und zwei Monate später wurde auch das erste Schiff mit 165 t Waltran zurück nach Buenos Aires geschickt. Der Profit war immens, er brachte Larsen und seinen Kapitalgebern eine Rendite von 75 % ein.

Während der Fangsaison im Sommer waren hier etwa 500 Männer tätig, im Winter blieben nur 30 bis 100, um die Anlagen zu warten. Als die Station im Jahre 1965 geschlossen wurde, hatte man 54.100 Wale erlegt (175.250 auf Südgeorgien insgesamt) und zu 458.000 t Walöl und 200.000 t Fleisch und Knochenmehl verarbeitet. Nebenbei schlachtete man jährlich noch etwa 5.000 Robben ab, allein für die Fabrik in Grytviken. Erschreckende Zahlen, hinter denen, wie so oft, nur Geld und Profit stecken. Doch die Zeiten des kommerziellen Fangs sind heute (fast) vorbei, und aus Grytviken ist eine rostende Geistersiedlung geworden. An die alte, brüchige Holzpier lehnen sich die leckgeschlagenen Fangboote und Versorger, auf den ehemals blutgetränkten Bohlen des Flensdecks wachsen die grünen Kissen des Stachelnüsschens, die schweren Eisenketten, die dort liegen, warten vergeblich darauf, Wale an Land zu ziehen, und in den Wellblechhallen lärmen und dampfen keine Maschinen mehr – es ist still geworden in Grytviken und all den anderen Walfangstationen auf Südgeorgien. In einem Rundgang lässt sich dennoch vieles nacherleben.

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